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Kulturkaufhaus „DAStietz“

Objektdetails

Auftraggeber
PVG Projektierungs- und
Verwaltungsgesellschaft TIETZ
Chemnitz mbH
Clausstraße 10/12
09126 Chemnitz

Öffentlicher Auftraggeber

Leistungen
Generalplanung und Fachplanungen

  • Objektplanung Gebäude und Freianlagen
  • Innenarchitektur
  • Bautechn. Nachweise
  • Techn. Gebäudeausrüstung
  • Bauleitung, Bauüberwachung
  • Tragwerksplanung

Kulturkaufhaus "DAStietz" in Chemnitz

Bauvorhaben

Umbau und Sanierung denkmalgeschütztes Kaufhaus TIETZ zum „Kulturkaufhaus Chemnitz – DAStietz“ mit Volkshochschule, Naturkundemuseum, Stadtbibliothek, Neue Sächsische Galerie mit Werkstattbereichen, Archivbereichen, Magazinen, Verwaltung, Handel, Gastronomie und Veranstaltungsbereichen.

Historischer Rückblick

  • erbaut 1913, als Warenhaus H&C Tietz nach den Bauplänen des Architekten
  • Prof. Wilhelm Kreis, einem der führenden Vertreter der deutschen Architektur die ersten Baueingabepläne für das Warenhaus sind auf März 1912 datiert, weitere Planänderungen erfolgten im Juni und Dezember des gleichen Jahres sowie im Januar und Februar des Jahres 1913
  • Mai 1912 – Genehmigung des Abbruchs der vorhandenen Altbausubstanz
  • September 1912 – Beginn der Tiefbau- und Gründungsarbeiten
  • 08. Oktober 1912 – Erteilung der Baugenehmigung
  • 23. Oktober 1913 – Eröffnung und Inbetriebnahme des Warenhauses

Besondere Merkmale des Gebäudes

  • für die damalige Zeit sehr moderne Stahlbetonskelettkonstruktion mit vier Vollgeschossen über dem Keller
  • der Grundrisszuschnitt ist, den damaligen Straßenfluchten folgend, schiefwinklig und hat in der Flucht der Nordfassade eine leichte Verschwenkung
  • durch eine akzentuierte Fassadengliederung und den Einsatz typischer Gestaltungsformen des (Neo-) Klassizismus kommt dem Bau eine gewisse stolze Prächtigkeit zu, der durch die Quaderung des Elbsandsteins und steinmetzmäßig herausgearbeiteten Schmuckelemente und Verzierungen unterstützt wird
  • zentrales Element des Innenraumes ist der große Lichthof, flankiert von zwei kleinen Lichthöfen
  • der große Lichthof war über dem 3. Obergeschoss durch eine reich gestaltete, leicht tonnenartig gewölbte Buntglasdecke überspannt, zwei große Leuchter waren in den Lichthof hinein abgehängt
  • typisch für das Haus Tietz war die Möblierung des Erdgeschosses und der Obergeschoßgalerien mit Glasvitrinen und prunkvollen Ausstattungen, in den beiden Haupttreppenhäusern wurde vor allem Marmor verwendet, die Türen waren aus Eichenholz mit Palisanderfurnier und Elektro-Spiegelglasfüllungen
  • 1926/27 – nach den Bauplänen des Chemnitzer Architekten Erich Basarke wurde an der Wiesenstraße der noch original erhaltene Gebäudeanbau „Basarke Haus“ angefügt
  • 1927/28 – Neugestaltung einiger Teilbereiche des Gebäudes (Konditorei-Räume im 2. Geschoss und Lebensmittelhalle im 4. Geschoss)
  • 08. November 1938 – Schließung des Warenhauses durch die Nazis
  • bis 1945 zeitweilige Nutzung für verschiedene Handels- und Lagerzwecke sowie Vereinnahmung der Keller, Küchen und Lagerbereiche durch das Marinebeschaffungsamt Wilhelmshaven, Dienststelle Chemnitz
  • 05.März 1945 bei Bombenangriffen der Alliierten wurde auch das Warenhaus getroffen und brannte aus, lediglich der Erweiterungsbau von Basarke blieb relativ unversehrt und wurde nach Kriegsende als KONSUM-Kaufhaus genutzt, die erhalten gebliebenen Keller- und Erdgeschossräume des Warenhauses konnten schnell instandgesetzt werden – ab 1949 fungierten sie bereits wieder für den Möbelverkauf
  • ab 1952 – Sanierungsarbeiten am Dach und Stahlbetonskelett
  • 1957/61 – Beschluss vom Rat des Bezirkes und vom Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt zur Rekonstruktion und zum Umbau des Gebäudes zu einem modernen volkseigenen Warenhaus
  • 1958 – Planungsbeginn
  • 1960 -1963 – Rekonstruktion und Umbau des Gebäudes

gravierende Eingriffe im Rahmen der Umbaumaßnahmen:

  • Deckelung der drei Lichthöfe
  • Einbau von Rolltreppenanlagen im Bereich der kleinen Lichthöfe
  • maßgebliche Veränderungen der Fassade durch den Einbau eines massiven, der Schaufensterfront folgenden Kragdaches, welches das Erdgeschoss gestalterisch förmlich abschnitt
  • Veränderung der Eingangsbereiche in Gestalt und Lage
  • Neugestaltung der Schaufensterfront und Verlagerung dieser auf die Seite der Moritzstraße um eine Achse in das Gebäudeinnere
  • 28. März 1963 – feierliche Eröffnung eines der größten und modernsten Warenhäuser der damaligen DDR
  • 1991 – 2001 – als Kaufhaus in Betrieb
  • November 2001 – Auszug der Kaufhof AG

Entwurfskonzept

  • Ziel aller Projektbeteiligten war es, ein Haus zu schaffen, welches vielfältige Nutzungen modern, transparent und kommunikativ präsentiert
  • große, lichtdurchflutete Innenhöfe spiegeln die Entwurfsgedanken von Transparenz, Natürlichkeit und Offenheit wieder
  • neben den glasüberdachten Innenhöfen sorgt die neue Glasfassade mit vorgestelltem Glasaufzug im Bereich Reitbahnstraße für eine freundliche Atmosphäre im Inneren des Gebäudes
  • prägend für den Innenraum und das Gesamtkonzept des Hauses ist der große zentrale Lichthof mit der „Skulptur“ des Steinernen Waldes, dieser steht nach einem eigens für diesen Standort entworfenen Aufstellplan unter dem in 25 m Höhe befindlichen Glasdach, wurde bewusst auf die zwischenzeitlich vorhandene Deckelung des Lichthofes über dem 3. OG verzichtet, um diesem einzigartigen Ausstellungsstück den entsprechenden Auftritt zu ermöglichen
  • zentrale Informationsaufgaben der städtischen Nutzer übernimmt der Tresen nahe des großen Lichthofes, welcher sich im Schnittpunkt der Hauptzugänge befindet
  • ein Cafe mit Sessel-Lounge bildet die gastronomische Ergänzung gegenüber des  Informationstresens
  • entlang der historischen Erdgeschossfassaden sind kleine Gewerbeeinheiten angeordnet, die den Besucher zum Bummeln und Shoppen einladen
  • Funktions- und Nutzungsbereiche der städtischen Nutzer sowie zusätzliche multifuktionale Veranstaltungs- und Präsentationsflächen in den Obergeschossen sind die zu finden, diese sind jeweils dem zentralen Lichthof zugewandt
  • in jedem Geschoss ist der Umgang um den zentralen Lichthof möglich und gestalterisch erwünscht, um die optische Transparenz der Einzelgeschosse untereinander zu ermöglichen
  • prägendes Merkmal des Innenraumes ist die konsequente Umsetzung des Farbund Materialkonzept des Hauses beginnend bei Fußboden, Wand, Decke bis hin zu Stuhl, Tisch und Regal
  • Glas, Holz, Stahl sind die dominierenden Materialien des Innenraumes
  • Trennwände als Glaswände in Pfosten-Riegel-Konstruktion sorgen für einen transparenten Raumeindruck
  • Umsetzung unterschiedlichster Anforderungen an Sicherheit, Brandschutz und Schallschutz

Denkmalpflegerische Maßnahmen:

  • Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes des Gebäudes durch:
  • Sanierung und schonende Reinigung der Sandsteinfassade
  • Herstellen des ursprünglichen Daches und der Dachentwässerung in Kupferausführung
  • Erhalten des vorhandenen Lichthofcharakters mit umlaufendem Gang in allen Geschossen
  • Rückbau / Umbau von nachträglich vorgenommenen baulichen Veränderungen an der Fassade und im gesamten Innenbereich
  • Rückbau des Stahlbeton-Kragdaches
  • Rückbau der Rolltreppen in den kleinen Lichthöfen und der Decken ab dem 2. Obergeschoss
  • Erneuerung der Schaufensteranlage und der Fenster in ihrer Größe und Sprossenteilung nach historischem Vorbild

Heizungs-/Kältetechnik z.B.

  • Fernwärme- / Fernkälteübergabestationen mit einer Leistung von 1.400 kW
  • mehrere verschiedene Heizungssysteme, angepasst an die nutzspezifischen Anforderungen
  • individuelle Beheizung mehrerer Bereiche über die Lüftungsanlage
  • Verbrauchserfassung aller Mietbereiche für Heizung und Kälte

Gebäudeleittechnik z.B.

  • Regelung bzw. Steuerung aller heizungs-, sanitär- und lüftungstechnischen Anlagen über insgesamt fünf autarke DDC-Unterstationen
  • Gebäudeleittechnik mit Anzeige aller Anlagenzustände, Störmeldungen, etc.
  • Visualisierung aller Anlagenteile mit der Möglichkeit zum Bedienen, Verändern, Anpassen der Anlagenwerte
  • Erfassung, Speicherung und Auswertung von Langzeitdaten

Raumlufttechnik z.B.

  • neun raumlufttechnische Anlagen mit einem Gesamtluftvolumenstrom von ca. 165.000 m³/h
  • Vollklimaanlagen für die hochsensiblen Bereiche der Magazine der Bibliothek und des Naturkundemuseums mit den Funktionen Heizung, Kühlen, Filtern, Entfeuchten, Befeuchten

Elektrotechnik z.B.

  • Niederspannungsschaltanlagen mit 8 Hauptverteilungen, 32 Zählerplatzanlagen, davon 9 Wandlerzählungen sowie Blindstromkompensation

Tragwerksplanung

  • anspruchsvolle statische Nachweise des unter Denkmalschutz stehenden Bestandsgebäudes (Stahlbetonskelettkonstruktion aus dem Jahre 1913 mit ca. 30.000 m² Bruttogrundfläche) für eine erhöhte Deckenbelastung von zusätzlich 1,5 kN/m² auf nahezu allen Flächen
  • Nachweis der Querkrafttragfähigkeit aller Unterzüge infolge der nicht vorhandenen Verbügelung, das Gebäude wurde mit Kahneisen bewehrt, einer speziellen Bewehrungsart aus den USA, bei der nach den heutigen Vorschriften keine wirksame Querkraftbewehrung vorhanden ist, sondern nur unzureichend verankerte Aufbiegungen
  • Steuerung und fachliche Begleitung von Deckenbelastungsversuchen einschließlich deren Auswertung zur Reduzierung des Sanierungsumfangs
  • Entwicklung eines Konzepts zur Herstellung einer ausreichenden Schubtragfähigkeit durch Spritzbetonsanierung
  • Erhöhung der Deckentragfähigkeit durch verdübelten Aufbeton (in Bereichen)
  • Herstellung der räumlichen Stabilität des Gesamtgebäudes durch Ausführung der Installationsschächte als aussteifende Kerne, die massiv erscheinenden Außenwände sind nur eine vorgehängte Fassade
  • Entwicklung von Spezialmaßnahmen zur temporären Gebäudesicherung in den Abbruchbereichen